Wie die Türme stehen bleiben
Der Wasgau-Buntsandstein ist nicht überall gleich hart. Dünne, kieselig gebundene Lagen widerstehen der Abtragung länger als die weicheren Sandlagen dazwischen. Wasser folgt den Klüften, Frost weitet sie, und am Ende bleibt ein Turm, wo eine Bank dicker war. An vielen Wänden sieht man Wabenverwitterung: kleine Höhlungen, in denen sich Feuchte hält, während die Außenhaut des Steins durch ausgefälltes Bindemittel etwas fester wird.
Bekannte Körper in diesem Feld sind unter anderem der Jungfernsprung, die Gruppe Braut und Bräutigam und weitere Türme auf den Höhenrücken südlich und östlich von Dahn. Ihre Eigennamen helfen bei der Orientierung, das Gelände selbst folgt einem einfacheren Muster. Man steigt aus dem Tal der Wieslauter durch Buchen und Kiefern, quert eine Blockhalde, trifft auf Stufen, die in den Fels gearbeitet sind, und steht nach einem kurzen, steilen Stück auf einer Platte. Der Höhenunterschied eines solchen Anstiegs liegt oft bei 80 bis 180 Metern, nicht bei alpinen Zahlen. Die Wirkung kommt aus der Senkrechten direkt neben den Bäumen.
Burgruinen sitzen auf einigen derselben Felsen, weil der Stein schon immer eine hohe, trockene Kante bot. Für diesen Leitfaden bleiben sie eine dünne kulturelle Schicht. Die Mauern erklären nicht die Klüfte, und die Klüfte erklären den Weg. Wer die Oberfläche aus der Nähe lesen will, findet die Farben und die Nässe im Text über Sandstein und Licht.